ask (24.02.14) Als am 7. November 2013 in Hockenheim die ersten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt wurden, nahmen die Altenpflegeklassen 3BFA2/1 und 3BFA3, Lehrerinnen und die Schulleitung der Louise-Otto-Peters Schule teil.

 

Die Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig ist es quadratische Betonsteine, deren Oberseite mit einer beschrifteten Messingplatte bedeckt sind, zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, zu verlegen. Sie wurden vor deren letzten frei gewählten Wohnorten in den Gehweg ebenerdig eingelassen.

Die Stolpersteine sollen an die im Nationalsozialismus vertriebenen, deportierten und ermordeten Menschen erinnern. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um jüdische Opfer, sondern um alle, die von Nationalsozialisten verfolgt wurden. Ein Angehöriger, der jüdischen Familie Adelsberger, äußerte nach der Veranstaltung: „Nach über 70 Jahren haben wir jetzt einen Ort, an den wir kommen können, um an unsere Großeltern, Onkels und Tanten zu gedenken.“

Begonnen hat dieses Projekt mit einem „Stolpersteinrundgang“ mit Herrn Klaus Brandenburger, vom Arbeitskreis Jüdische Geschichte in Hockenheim. Im Deutsch - und Religionsgeragogik - Unterricht erstellen die angehenden AltenpflegerInnen Fragebögen für Zeitzeugen. Sie befragen diese im Rahmen einer zeitgeschichtlichen Biografiearbeit der zu Pflegenden in den Ausbildungseinrichtungen. Die Ergebnisse wurden anonym festgehalten. „Dies ist ein Teil der Geschichte, der für unser Berufsbild besonders wichtig ist.“, so ein Schüler der LOP Schule. Sehr oft sehen sich die angehenden Altenpflegerinnen mit diesem Thema konfrontiert. Schließlich wurden die alten Menschen, die sie heute betreuen, von den Geschehnissen dieser Zeit besonders geprägt. Die Intensivität der Erinnerungen nimmt in dieser Lebensphase meist deutlich zu, gerade auch bei demenziell Erkrankten.

Mehr zu wissen über das Thema ist besonders interessant, um das in der Schule gelernte mit den praktischen Erfahrungen in der Einrichtung kombinieren zu können.

„Es war zwar kalt, aber sehr berührend“, waren Aussagen der SchülerInnen der LOP, auf die Frage, wie sie diesen Tag empfunden hätten. „Interessant war es, emotional und das große Interesse der altersmäßig völlig unterschiedlichen Beteiligten hat mich erstaunt“, so eine andere Schülerin. „Hockenheim ist zwar mittlerweile die 901. Kommune in Deutschland mit Stolpersteinen, trotzdem ist es ein bedeutendes Zeichen für die Region“, warf eine weitere Schülerin ein.

Dies war auch der Grund warum die SchülerInnen dieses Ereignis, mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung in Heidelberg, filmisch dokumentierten.

„Die sind aber dreckig!“, war schließlich die Bemerkung eines Schülers, als er vier Wochen später, an die Stelle der Stolpersteine in der Hockenheimer Unteren Hauptstraße auf die Messingplatten blickte. „Die haben mal so geglänzt“. Und erinnerte sich an die Aussage des Künstlers Gunter Demnig:

„Wir trampeln nicht auf den Schicksalen herum, wie manche es sagen, sondern polieren mit jedem Schritt das Messing blank. Auch der Boden ist nicht der falsche Ort, denn wer auf die Namen herunterschaut, muss sich ganz zwangsläufig vor dem Schicksal verbeugen“.

Ein Kölner Hautschüler kommentierte: „Nein, nein, man stolpert nicht und fällt nicht hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“

Text: Johannes Heckmann, Barbara Askani-Feierling
Bilder: Jochen Knebel und Hannah Schlumberger

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