den/fs (12.07.2018) Im Rahmen der langjährigen Schulpartnerschaft mit dem Lycée Professionnel Privé St. François d’Assise in Fontenay-aux-Roses (bei Paris) trafen sich Anfang Mai neun Schüler der drei beruflichen Gymnasien Johann-Philipp-Bronner-Schule, der Hubert-Sternberg-Schule und der Louise-Otto-Peters-Schule mit ihren 13 französischen Austauschpartnern. Die 15- bis 19-jährigen SchülerInnen verbrachten dieses Mal eine spannende Woche in der Hauptstadt der Bundesrepublik, während der sie neben dem Kennenlernen von Berliner Sehenswürdigkeiten und Currywurst auch Sprachbarrieren abbauen konnten.

 

 Thema der Austauschwoche waren zum einen die gemeinsame deutsch-französische Geschichte, die in der Vergangenheit durch viele Kriege geprägt war, und zum anderen die bestehende deutsch-französische Freundschaft.  Aufgesucht wurde das deutsche Nationaldenkmal zur Erinnerung an die Napoleonischen Befreiungskriege im Viktoriapark,  die Französische Botschaft und das Institut Français, das französische Pendant zum Goethe Institut. Besucht wurde ebenso das Holocaust-Denkmal in der Nähe des Brandenburger Tores.

 

 Von ihrer Unterkunft am idyllischen Wannsee, starteten die Schülerinnen und Schüler ihre Erkundungstouren nach Berlin und Potsdam. Begleitet wurden sie von zwei deutschen und drei französischen Lehrerinnen und Lehrern sowie der Schulleiterin der französischen Partnerschule. Am Ankunftstag standen Kennenlernspiele auf dem Programm, um von Anfang an Berührungsängste und Sprachhemmungen abzubauen. Die Schüler hatten sich in ihrer jeweiligen Schule schon über Steckbriefe kennengelernt und erste Nachrichten über soziale Medien ausgetauscht.

 

 Am Folgetag stand „Berlin on Bike“ auf dem Plan. Mit dem Fahrrad radelte die deutsch-französische Gruppe durch den ehemaligen Osten über den Alexanderplatz an der Spree entlang bis hin zum Brandenburger Tor. Auch das Holocaust-Mahnmal mit seinen über 2.700 Stelen beeindruckte die Gruppe sehr.

 

 Am Nachmittag erkundeten die Schüler in gemischt-sprachigen Lernteams die verschiedenen Berliner „Kieze“. Was sie an Kreuzberg, Berlin Mitte oder am Prenzlauer Berg am meisten faszinierte, hielten sie auf Fotos fest, die sie, zurück in der Jugendherberge, in Präsentationen der gesamten Gruppe vorstellten.

 

 Sowohl die deutschen als auch die französischen SchülerInnen waren erstaunt, dass die Teilung Berlins schon 30 Jahre nach dem Mauerfall erst  auf den zweiten Blick sichtbar ist. Schwer vorstellbar, dass die bunt bemalten Mauerreste an der East Side Gallery Teil eines Todesstreifens waren, der die Deutschen in Bundesrepublik und DDR über Jahrzehnte hinweg trennte.

 

 Highlight war die gemischt sprachige Führung durch die französische Botschaft am Pariser Platz, die der Bundestagsabgeordnete Dr. Stephan Harbarth möglich gemacht hatte. Eine junge französische Diplomatin erzählte von ihrem Tätigkeitsfeld in Deutschland. Die Schülerinnen und Schüler hatten zahlreiche Fragen: „Ist es schwierig, wie Sie, alle drei Jahre das Land zu wechseln?“ „Wie viele Sprachen sprechen Sie?“ und „Wie wird man überhaupt Diplomatin?“, bevor sie sich in der eleganten Kantine der Botschaft bei französischen Baguettes und selbstgemachter Orangeade stärken konnten.

 

 Im Institut Français stand eine deutsch-französische Führung zu den Ereignissen im Mai 1968 auf dem Programm. Wie sie ihre Sprachkenntnisse auch in Zukunft weiter vertiefen können, erfuhren die Schülerinnen und Schüler dort auch. Sie staunten nicht schlecht über die vielfältigen Austausch-Angebote und darüber, wie einfach es ist, im europäischen Nachbarland Frankreich zu studieren oder eine Arbeit zu bekommen.

 

 Die Schüler waren von der deutsch-französischen Austauschwoche rundum begeistert. „Ich will auf jeden Fall nächstes Jahr nach Fontenay-aux-Roses / Paris und sehen, wie es bei denen in Frankreich so ist“, bekräftigte eine Schülerin auf der Heimfahrt. Ob es mit der Verständigung geklappt habe? „Am Anfang habe ich mich gar nicht getraut, aber dann war es gar nicht schwer.“

 

 Finanziell unterstützt wurde die Austauschwoche auch dieses Mal vom deutsch-französischen Jugendwerk (DFJW). Das DFJW wurde vor 55 Jahren auf Initiative der beiden Staatschefs Charles de Gaulle und Konrad Adenauer gegründet, um das Verständnis zwischen deutschen und französischen Jugendlichen zu fördern und so künftigen kriegerischen Auseinandersetungen vorzubeugen. Der deutsch-französische Austausch findet einmal im Jahr abwechselnd in Fontenay-aux-Roses und Wiesloch statt, oder – wie dieses Mal – in einer anderen Stadt in Deutschland oder Frankreich.

 

 Die Schülerinnen und Schüler am Brandenburger Tor.