Carina und Carola Menzel (04.10.2017) Wer hegt denn heute noch Vorurteile? Unsere Welt ist doch aufgeklärt, die Menschen tolerant! Dies dachten sich sicherlich einige Schüler oder auch manch ein Lehrer, als er sich den Inhalt des Theaterstückes „Ins Gesicht geschrieben“ der Louise-Otto-Peters-Schule Wiesloch, welches am 20. Juli in der Aula des Schulzentrums Premiere feierte, im Programmheft durchlas – und verließ das Stück doch mit Sicherheit ein bisschen nachdenklicher. Denn die sieben zunächst zusammenhanglos erscheinenden Szenen zeigten eindrücklich die Vorurteile der vergangenen Zeit, rückten besonders die der Gegenwart in den Mittelpunkt und erlaubten es sich auch, einen satirischen Blick in die Zukunft zu werfen

Durch das Stück führte eine Schriftstellerin, welche in „Rabenmütter und wie sie eine werden“ in den 70er Jahren verzweifelt für ihre Rechte als Frau kämpft, um nicht länger nur hinter dem Herd zu stehen – und diese stellte sich auch als die tolerante Oma heraus, zunächst scheinbar die einzige, die im überspitzten und doch gar nicht so unrealistischen Teil „Jesus und das andere Ufer“ die Homosexualität ihres eigentlich doch streng gläubigen Enkels akzeptieren kann.

 

Ganz andere Probleme werden in „Ein bisschen mehr Integration braucht das Land“ angesprochen – Maham und Usain, beide ihr Leben lang mit Vorurteilen konfrontiert, haben sich für eine Stelle im Integrationsamt beworben und treffen im Wartezimmer aufeinander – nicht, um plötzlich ihre ganz eigenen Vorurteile auszupacken und sie dem anderen möglichst direkt ins Gesicht zu schleudern. Trotz allem ernsthaften Hintergrund kommt hier aber der Humor nicht zu kurz – das Publikum biegt sich vor Lachen, für Mana Kilongi als Usain Rocks brandet Szenenapplaus auf.

 

Wieder ernsthafter dagegen geht es in „Schein und Sein“ zu, in der das allgegenwärtige Problem Cybermobbing angesprochen wird, dessen Folgen und wie sehr die Grenzen verschwimmen zwischen Realität und virtueller Welt, wie schnell sich Lügen verbreiten und für Wahrheit gehalten werden.

 

„Fußball im Supermarkt“ nun zeigte den Alltag eines Kassierers, der dank seiner guten Laune am Arbeitsplatz vom spießigen Chef nieder gemacht wird, welcher davon ausgeht, dass Arbeit wohl kaum mit Spaß zu vereinen sei – und sehr interessant dürfte wohl auch der Teil „Deutschland 2025“ gewesen sein. Zigaretten sind scheinbar vollständig von der Bildfläche verschwunden, dafür gibt es etwas Neues, ähnlich Schlimmes: das Fleisch! Alexa und Karin, die sich in der Wurst-Ecke treffen, sind sich einig: die Ekelbilder auf den Würstchengläsern sind vollkommen übertrieben, aber dennoch ist in der Gesellschaft auf Brotkaugummi kaum zu verzichten – schließlich muss man ja vegan riechen.

 

Die Zuschauer waren restlos begeistert und bewegt, erkannten sich einige doch sicherlich in der einen oder anderen Szene wieder. Nach dem Applaus nahm sich sogar Schulleiter Oliver Wetzel noch Zeit, auf der Bühne seine Begeisterung auszudrücken, und das, obwohl er „das eigentlich sonst nie“ tat. Ein voller Erfolg für die Theater-AG, wenn man bedenkt, dass die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der Lehrerinnen Ellen Kontra und Hannah Neuhaus selbst Ideen geliefert, das Stück alleine verfasst hatten, und ihnen die Botschaft so nun noch enger am Herzen lag.

 

Wir sind aufs nächste Jahr gespannt und freuen uns auf ein neues, grandioses Stück aus der Feder der Theater-AG!